Tauchen und Reisen in Ägypten

Es sollte nur ein einwöchiger Urlaub werden – jetzt sind es fast zwei Jahre, die mich mit Ägypten verbinden und die ich hier lebe. Zeit Dir endlich alle Tipps zum Tauchen und Reisen in Ägypten zu geben. Da das weit mehr Stoff ist als in einen einzigen Artikel reinpassen würde, gibt es hier eine ganze Serie zu den verschiedenen Reisezielen im Land. Klar, dass es meist ums Tauchen geht, aber wenn es Dir wie mir geht, willst Du auch über Wasser etwas erleben und das soll hier nicht zu kurz kommen. So habe ich Dir z.B. mit meinen Kairo Tipps einen Survival Guide für diese Megastadt geschrieben. Oder bei meinem Post über das Tauchen in Dahab ein Interview mit der Gründerin des ersten Co-Working Spaces am Roten Meer geführt. Nicht fehlen darf natürlich meine Heimat auf Zeit: im Post Tauchen in Marsa Alam verrate ich Dir nicht nur meine Lieblingstauchspots sondern gebe Dir auch einen kleinen Guide für das Beduinenstädtchen, was kaum ein Touri zu Gesicht bekommt.

Hilfreiche Infos zum Tauchen und Reisen in Ägypten

Einige Informationen gelten allgemein für das Tauchen und Reisen in allen Städten in Ägypten und die findest Du hier.

Anreise – Wie komme ich eigentlich nach Ägypten?

Mit dem Flugzeug 😉 Kein Witz, ich habe das einmal recherchiert. Der Landweg ist so gut wie ausgeschlossen, da er über Syrien oder Irak führt. Eine direkte Fährverbindung gibt es nicht und auch wenn Du mit dem Schiff z.B. nach Haifa, Israel, kommst, ist die Einreise über die israelisch-ägyptische Grenze alles andere als ratsam. Also das Flugzeug.

Die meisten Flugverbindungen gibt es zum Pauschalparadies Hurghada. Hier hast Du die große Auswahl so gut wie aller Ferienflieger aus allen großen deutschen Städten sowie aus Österreich und der Schweiz.

Wer in Marsa Alam, Port Ghalib oder El Quesir Urlaub macht, sollte auch den dortigen Flughafen bevorzugen sonst steht Dir ein langer Transfer bevor – insbesondere wenn mehrere Hotels angefahren werden, dauert das gute fünf Stunden. Angeflogen wird Marsa Alam z.B. von AirBerlin, SunExpress oder Germania.

Kairo ist trotz seiner Größe fast nur von Frankfurt oder München aus direkt zu erreichen, normalerweise mit der Lufthansa oder EgyptAir.

Der internationale Flughafen Sharm el Sheikh – und über ihn Dahab – wird derzeit nur von wenigen Fluglinien bedient (mehr dazu im Abschnitt Sicherheit) und ist aus Deutschland nicht mehr direkt zu erreichen. Die einfachsten Möglichkeiten gehen mit Turkish Airways oder Pegasus über Istanbul oder mit Egypt Air über Kairo. Nach derzeitigem Stand (Januar 2016) würde ich die Verbindung mit Egypt Air empfehlen, da Turkish Airways momentan häufig die Flugverbindungen ändert.

Einreise – Wie komme ich an ein Visum?

Ein Hoch auf den deutschen Pass! Wenn Du für maximal 30 Tage bleiben möchtest, musst Du Dich vor Deiner Reise um nichts kümmern. Achte lediglich darauf, dass Dein Reisepass noch mindestens 6 Monate gültig ist. Dann steige entspannt in den Flieger.

Dort bekommst Du eine Einreisekarte, die Du direkt ausfüllst und in Deinen Reisepass steckst. Am Flughafen angekommen, ignorierst Du die laut rufenden Mitarbeiter der Reiseveranstalter und gehst schnurstracks zur „Bank of Egypt„. Dort erhältst Du gegen $25 bzw. den gleichwertigen Eurobetrag – derzeit etwa 22€ – Dein Visa in den Pass geklebt. Du kannst auch ein bisschen Geld tauschen, aber meist haben die am Flughafen einen schlechten Kurs, also besser später. Mit Deinem Visum im Pass und der Einreisekarte gehst Du dann zum Immigrationschalter und bekommst Deinen Einreisestempel.

Solltest Du Pauschal mit einem Transfer gebucht haben, kannst Du Dich dann in Ruhe den Mitarbeitern zuwenden. Denn der Grund für ihre Schreierei ist, dass sie Dir das Visum gerne selbst verkaufen wollen – für 28€.

Dauerhafter Aufenthalt in Ägypten – Mehrmonatige Visa

Du möchtest länger in Ägypten bleiben?  Netterweise macht es uns das Land relativ leicht – ein guter Tipp für die, die gerne ihren Divemaster hier machen wollen oder ortsunabhängig arbeiten und lieber in der Sonne am Strand statt im Hipstercafé in Berlin sitzen (wenn Du in die Kategorie gehörst, lies unbedingt das Interview zum ersten Coworking Space am Roten Meer). Also, wie kommst Du an diesen schönen Stempel, der Dir 3 oder 6 Monate Ruhe verschafft?

Du wendest Dich an das Immigration Office Deiner Stadt. Für mich ist das meistens Hurghada gewesen. Dort findest Du das „Tourist Passport Office“ etwas versteckt in El Dahar. Adressen sind in Ägypten leider Schall und Rauch, aber das im gleichen Gebäudekomplex residierende „Red Sea Police Department“ ist in Google Maps eingetragen. Und spätestens wenn Du an die Kreuzung El-Nasr/6 Oktober kommst, bist Du nur noch 5 Gehminuten entfernt und kannst in den Coffeeshops nachfragen. Öffnungszeiten sind Samstags bis Donnerstags 8:00-14:00 Uhr.

In Kairo wiederum ist das „Mogamma“ für Immigration Fragen zuständig. Dieses Gebäude liegt direkt am Tahrir Platz und ist nicht zu übersehen. Im ersten Stock befindet sich die Immigration Abteilung. Window 29-31 sind für Residenz Visa zuständig. Direkt daneben stehen hinter einem Granittisch ein bis zwei Chiefs, die Dir bei Fragen weiterhelfen. Eine Warnung vorweg: wenn Du kein Arabisch sprichst, nimm jemanden mit der es tut! Öffnungszeiten sind Samstags bis Donnerstags 8:00-14:00 Uhr.

Solltest Du tatsächlich in Kairo leben, ist nicht zwangsläufig das Mogamma zuständig, sondern das „Einwohnermeldeamt“ bzw. die zentrale Polizeistation. Dort wo Ägypter z.B. ihre ID beantragen können. In meinem Fall z.B. Nasr City – großer Spaß nach zwei Stunden warten und Unterschriften sammeln im Mogamma.

Dokumente: sind ehrlich gesagt häufig abhängig von der Laune der Beamten. Es gibt kaum verlässliche nicht-arabische Quellen und noch dazu haben sich im August 2015 die Regeln geändert. Also vergiss alle Erfahrungsberichte in Foren vor diesem Datum!

Gut ausgerüstet bist Du mit folgenden Dokumenten

  • Reisepass
  • 2 Kopien des Passes sowie aller ägyptischen Visa
  • 2 Passbilder
  • Dein Mietvertrag (je nach Quelle muss er auch noch registriert bzw. notariell beglaubigt sein) oder eine Bestätigung Deines Hotels, dass Du für die Dauer Deines Aufenthaltes dort wohnst
  • 180LE (Kleingeld passend dabei haben!)

Falls Du ein Residenz Visa nach der Heirat mit einem Ägypter beantragst:

  • Heiratsurkunde in Kopie und Original
  • Geburtsurkunde Deines Mannes
  • ID Deines Mannes in Kopie und Original

In Hurghada ist es seit Sommer 2015 so, dass Du den Antrag stellst und einen Stempel in den Pass bekommst, der Dich berechtigt im Land zu bleiben bis Dein Antrag geprüft ist. Das kann bis zu drei Monate dauern. Hast Du dann endlich den positiven Bescheid, musst Du Deinen Pass dort lassen und es wird Dir gesagt, dass Du am nächsten Tag wiederkommen kannst, um ihn gestempelt wieder abzuholen. Mit etwas Diskussion – in meinem Fall, dass ich in Marsa Alam lebe und 3 1/2 Stunden Anfahrt habe – bekommt man ihn auch am selben Tag ab 13:30 Uhr.

Eine sehr gute Zusammenstellung gibt es auf „Mein Ägypten“: Visaverlängerungen, Residenzvisa 

Zollvorschriften – Darf ich meinen Tauchfreunden eigentlich Wurst mitbringen?

Wiederholungstäter kennen die Thematik: Du willst Deinen Freunden in der Tauchbasis eine Freude machen und kaufst leckere Dinge, die sie in Ägypten kaum bekommen. Doch beim Packen die bange Frage: darf ich eigentlich Schweinefleisch einführen? Und wie viel Alkohol darf ich zum Anstoßen mitbringen?

Reise ich von Deutschland nach Ägypten, kommt mein Tauchtrolley mit, nicht etwa für’s Equipment – ne das ist ja schon da -, auch nicht für meine Klamotten – die passen ins Handgepäck -, sondern für diverse Mitbringsel. Du willst einen kleinen Eindruck?

Tauchen und Reisen in Ägypten - Mitbringsel

Kontrolliert worden bin ich noch nie. Auch die zwei Flaschen Jack Daniels aus dem Duty Free haben am Flughafen nie jemanden gestört ABER ich verlasse mich ungern auf Forenbeiträge und Erfahrungsberichte – da musst Du nämlich nur an den falschen Zollbeamten kommen, der schlecht geschlafen hat. Hier also der ganz offizielle Link zu den ägyptischen Zollbestimmungen für alle die auf Nummer sicher gehen wollen: das ägyptische Außenministerium hat seine Regeln hier dargestellt.

Apropos: da steht nix von Schweinefleisch 😉 Aber Mangos meine Lieben! Keine Mangos mit ins Land bringen. Spaß beiseite, die wollen einfach keinerlei Agrarprodukte, die die ägyptische Landwirtschaft durcheinander bringen, ist auch ihr gutes Recht. Genauso selbstverständlich sollte es sein, dass keinerlei antike Gegenstände oder gar Korallen ausgeführt werden dürfen.

Sicherheit – Es bleibt Dein subjektives Gefühl

Achtung: Dies ist ein Meinungsstück – doch wenn Du das Tauchen und Reisen in Ägypten gerade aus Sicherheitsgründen für keine gute Idee hältst, nimm Dir Zeit für meine Perspektive direkt aus dem Land.

Als Frau allein in Ägypten? Überhaupt Ägypten? Steht da der IS nicht direkt vor der Haustür? Und sind dort Anschläge nicht an der Tagesordnung?

Ja, ich kenne die Bedenken und da auch ich noch deutsche Medien lese, kann ich sie zu einem gewissen Grad auch nachvollziehen. Aber das Leben in einem fremden Land gibt einem eben auch ganz andere Perspektiven. Denn plötzlich liest Du Dinge über Orte in der Zeitung an denen Du selbst bist – nur das Berichtete entspricht überhaupt nicht dem was tatsächlich passiert. Ich schiebe das nicht auf Verschwörungen oder Geheimdienststrategien, wie es in manchen Foren diskutiert wird, das ist Unsinn – Geschichten über Anschläge, islamische Bedrohung und ähnliche Sensationslust verkaufen sich einfach besser als ein sachlicher Bericht über eine ideologisch völlig unbegründete gewalttätige Auseinandersetzung. Dabei sind es nicht nur „westliche“ Medien, die sich auf den islamischen Terror stürzen. Auch die staatlichen ägyptischen Medien legitimieren das harte Vorgehen der Sicherheitskräfte gerne mit dem Kampf gegen den Terrorismus.

Sehen wir uns die Sicherheitslage mal genauer an:

In einem kleinen Teil des Nord-Sinais ist eine terroristische Gruppe aktiv, die sich zum IS bekannt hat. In dieser Gegend spielt Tourismus keine Rolle. Die dort verübten Anschläge richten sich mehrheitlich gegen die Sicherheitskräfte, auch wenn es in Al-Arish zu einigen Übergriffen auf ägyptische Zivilisten kam. Es gab auch in Kairo Berichte über Anschläge – auch diese zumeist gegen Polizeistationen. Der letzte in deutschen Medien berichtete“Anschlag“ einige Tage vor dem 5. Jahrestag der Revolution am 25. Januar war eine Explosion im Rahmen einer Hausdurchsuchung, bei der die durchsuchenden Polizisten und die Bewohner der Wohnung starben. Schlimm genug, aber kein Tourist weit und breit. Am Jahrestag hatte die Bevölkerung übrigens spontan „arbeitsfrei“. Der Tahrir Platz war von Militär und Polizei abgeriegelt. Wahrlich keine schöne Situation für freiheitlich denkende Menschen, aber ein Durchqueren des Platzes und ein Spaziergang durch das alte islamische Viertel am Abend? Ohne Bedrohung – auch für eine eindeutig als Ausländerin erkennbare Frau.

Am 8. Januar 2016 kam es in einem Hotel in Hurghada zu einem Streit, bei dem drei Touristen mit einem Messer verletzt wurden. Ich bereitete mich gerade auf meinen Rückflug dorthin vor, als im Radio lang über diesen „Anschlag“ berichtet wurde. Die Story wurde soweit gesponnen, dass die Angreifer mit Booten an den Hotelstrand kamen, eine schwarze IS Fahne schwenkten und sich auf die Touristen stürzten – mit einem Messer! Spätestens da hätte der geneigte Zuhörer aufhorchen sollen. Am Ende stellte sich heraus, dass es sich um eine Streiterei handelte und dem Hotelbetreiber geschadet werden sollte – die Story wurde nie für die deutsche Öffentlichkeit richtig gestellt.

Der gravierenste Vorfall ist der Absturz eines Flugzeuges nahe Sharm el Sheikh, die zur Stornierung der meisten Flugverbindungen führte. Die Ursache ist immer noch ungeklärt, wird jedoch von einem international – auch deutsch – besetzten Expertenteam untersucht – bis diese ein abschließendes Urteil abgegeben haben, würde auch ich nicht spekulieren. Für Sharm el Sheikh und Dahab bzw. die Menschen, die dort arbeiten haben die Flugausfälle katastrophale Folgen. Für mich ein sehr gutes Beispiel, wie unsere Ängste zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden können, denn Arbeitslosigkeit und die daraus folgende Armut haben der Stabilität eines Landes oder dem Willen der Menschen dort zu bleiben selten genützt.

Es gab und gibt also in Ägypten terroristische Banden. Es gibt definitiv Halsabschneider unter Verkäufern. Und es gibt viele Männer, die es für ihr Recht halten Frauen auf der Straße hinterher zu rufen (übrigens völlig ungeachtet davon, ob diese nun Ausländerinnen oder Ägypterinnen sind). Das sind die negativen Seiten, die nicht zu leugnen sind.

Tatsächlich Opfer von Kriminalität oder Terrorismus werden Touristinnen aber kaum. Vergleiche das mal ganz objektiv mit anderen beliebten Urlaubsländern oder selbst Deutschland. Wie oft hast Du etwas über Schlägereien in der U-Bahn gelesen? Schießereien von Rockerbanden in Berliner Kneipen? Morden oder Vergewaltigungen? Ich würde schätzen, mindestens einmal die Woche – und Deutschland ist ein sicheres Land.

Sicherheit bleibt ein rein subjektives Gefühl. In Deutschland sprechen wir die gleiche Sprache, wir kennen die Regeln, wir kennen unsere Gesetze. Das gibt uns ein sicheres Gefühl. De facto wird Dir bei einem Urlaub in einem abgelegenen Wüstendorf wie Marsa Alam aber wahrscheinlich weit weniger passieren können als zu Hause in Düsseldorf, Berlin oder München. Wenn Du also aus „Sicherheitsgründen“ nicht nach Ägypten willst, frag Dich ob das was Dich wirklich abhält tatsächlich real ist – oder nur eine Folge der meist negativen Nachrichtenfragmente, die Du über das Land hörst. Informiere Dich bei denen, die dort sind oder gerade von dort kommen – ich kenne kaum jemanden der von einem Besuch abraten würde.

Warst Du schon in Ägypten? Wie waren Deine Erfahrungen? Hast Du noch Fragen oder Wünsche für Beiträge zur Ägypten-Serie? Dann schreib mir doch!

 

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Übrigens keine Sorge: massenhafte Mails und die Weitergabe von Daten finde ich genauso doof wie Du.

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