Leben am einsamen Strand Update via www.diverettes.de

Leben am Strand mit eigener Tauchbasis

30. Mai 2016 Comments (12) Probleme lösen, Safety, Slider

Allein auf hoher See – Überlebensstrategien

allein auf hoher See - vom Tauchboot zurückgelassen

Vom Tauchboot zurückgelassen – Allein auf hoher See

Es ist wohl der Albtraum jedes Tauchers. Nach einem schönen Tauchgang kommst du wieder hoch und das Boot ist weg! Du bist allein auf hoher See!

Vielleicht kennst du den Film ‚Open Water‘ – ganz ehrlich, ich habe mich bisher standhaft geweigert ihn zu gucken. Die Vorstellung irgendwo allein auf See, kein Land in Sicht…Das muss ich nicht noch verstärken. Verstärken sollten wir jedoch das Wissen, was in einem solchen Fall zu tun ist – und genau darum geht es in diesem Artikel.

Wir sind uns wohl einig, dass das keine schöne Vorstellung ist. Aber wie bei jeder unschönen Situation, in die man ungewollt kommt, gilt: don’t panic! Es hilft ja nichts.

Den ersten Schritt machst du gerade: du liest diesen Artikel, der dir die besten Tipps gibt was du machst, wenn du beim Tauchen allein zurück gelassen wirst.

Zweiter Schritt: stell dir die Situation vor und gehe sie im Kopf durch. Das ist nicht angenehm, aber wenn du einem Problem zumindest imaginär schon einmal begegnet bist und es erfolgreich gelöst hast, wirst du auch in der Realität besser reagieren können

Dritter Schritt: sollte der seltene Fall eintreten und du findest dich, oder nur mit Buddy, allein auf offener See, erlaube Dir keine Panik. Wir sind keine kleinen Mädels, die in Angststarre verfallen. Wir sind Taucherinnen, die unter Wasser atmen können! Beruhige Deine Gedanken, rufe alle Strategien für die Situation ‚allein auf hoher See‘ auf, schau Dich um und bewerte welche Strategie passend ist. Bis du wieder an Land bist gibt nur zwei Arten von Gedanken die erlaubt sind: die besten Strategien, wie du die Situation meisterst und dass am Ende alles gut wird!

Und jetzt erkläre ich Dir Schritt für Schritt, was Du tun kannst, wenn du allein beim Tauchen zurück gelassen wirst. 

Deine Rettung beginnt schon vor dem Tauchgang

Vorfreude ist die schönste Freude. Erzähle Leuten, die nicht mit zum Tauchen kommen, dass du einen Ausflug machst, wohin er gehen wird und mit welcher Tauchbasis Du unterwegs bist. Wenn Leute dich zurück erwarten und du erscheinst nicht werden sie Fragen stellen und Hilfe organisieren. Das muss gar nicht nach ‚wenn ich nicht zurück komme‘ klingen, sondern ist ein ganz normales Gespräch mit Freunden, Familie oder der netten Dame aus deiner Unterkunft.

Achte auf Sicherheitsstandards bei der Wahl der Tauchbasis

Das ist eine Selbstverständlichkeit die vieles abdeckt, was beim Tauchen schief gehen kann und daher umso wichtiger.

Wie viele Taucher kommen mit auf den Trip? Wie groß sind die Gruppen? Werden alle Namen richtig notiert und wie wird bei der Anwesenheitskontrolle vorgegangen?

Das richtige Equipment dabei haben

Bei Bootstauchgängen sollte eine Boje – oder Signalwurst – selbstverständlich sein. Ein akustisches Signal, wie eine Pfeife, ist ebenfalls ratsam. Etwas spiegelndes kann hinterher hilfreich sein um über längere Strecken Aufmerksamkeit zu erregen. Zur Not kann der Tauchcomputer dafür  genutzt werden – und der sollte aus vielen anderen Gründen eh selbstverständlich  sein. Persönlich habe ich auch gerne eine Tauchlampe dabei um unter Wasser schattige Stellen zu erkunden oder meinem Buddy etwas zu zeigen, ohne mit dem Finger zu nah kommen zu müssen. An der Wasseroberfläche können damit jedoch Signale gesendet werden. Auch ein Kompass kann zusätzlich bei der Navigation bzw. Orientierung helfen.

Auf dem Boot

Höre Dir das Briefing genau an, versuche Dir die groben Merkmale des Tauchplatzes einzuprägen und achte auch auf Informationen wie die Strömungsrichtung. In welcher Himmelsrichtung ist das nächste Land  bzw. wo sind Riffblöcke die bis zur Oberfläche gehen?

Häufig wird das Equipment in Boxen aufs Boot gebracht auf denen die Namen der Taucher stehen, je auffälliger es ist das jemand fehlt – z.B. weil alle Boxen wieder mit der Ausrüstung gefüllt sind außer deiner – umso besser.

Schütze andere. Wenn nach dem Tauchgang eine Anwesenheitskontrolle gemacht wird, antworte nicht für andere auch wenn du der Meinung bist sie wären mit aufgetaucht und nur kurz auf der Toilette. Das mag sein – oder auch nicht. Vielleicht war diejenige beim Auftauchen hinter dir, hatte dann aber ein Problem oder wollte ’nur kurz‘ etwas fotografieren. Manchmal springt jemand auch nach dem Ablegen der Tauchausrüstung nochmal kurz ins Wasser, um schnorchelnd zu fotografieren oder eine Runde zu schwimmen.

Beim Tauchgang

Es ist offensichtlich die oberste Regel: bleib bei deinem Buddy und der Gruppe. Gerade Fotografinnen mag das schwer fallen, aber besser ein Motiv weniger als hinterher ungewollt einen Nachttauchgang fotografieren, gell?

Falls ihr individuell als Buddyteam taucht, taucht das Tauchprofil das vorher besprochen wurde, so dass ihr nicht an einem völlig anderen Platz wieder aufsteigt. Prägt Euch unter Wasser ganz genau die Merkmale des Ankerplatzes ein, so dass ihr hinterher sicher seid auch zum Ausgangspunkt zurück gefunden zu haben. Insbesondere bei Drift Dives solltet Ihr die besprochene Richtung einhalten. Es kann auch nicht schaden, zumindest Sichtkontakt zu anderen Buddyteams zu halten.

Verlierst du unter Wasser deinen Buddy oder die Gruppe sucht eine Minute weiter und steigt dann – mit Sicherheitsstopp – auf. Der Buddy bzw. Tauchguide sollte das gleiche tun. Taucht nicht in die vermeintlich richtige Richtung weiter, ob die nämlich so richtig ist, ist manchmal fraglich.

Achte auf deine Luftreserve von 50 bar. Die sollte als Sicherheit für den Auf- und Ausstieg mindestens noch drin sein.

Jetzt ist es passiert, Du tauchst auf und bist allein auf hoher See

Erste Regel: don’t panic! Atme tief durch, denke nach und wähle die passenden Lösungsstrategien.

Stelle Auftrieb her

Sorge für Auftrieb indem Du dein Jacket aufbläst und zur Not Dein Blei abwirfst. Sichere Deine Maske in dem du sie aufbehältst oder um den Hals hängst – nicht auf die Stirn, von wo sie leicht abrutschen kann.

Schau Dich ganz bewusst um

Kannst du das Boot noch irgendwo sehen? Dreh dich ganz langsam und bewusst im Kreis. Ist Land oder ein Riffblock zu erkennen?

Check Dein Equipment 

Was hast du dabei um Aufmerksamkeit zu erregen?

Blase Deine Boje auf um besser sichtbar zu sein und nutze eine Pfeife um hörbar zu sein. Schreie helfen meist nur in unmittelbarer Hörweite von anderen also spar dir diese Energie im Zweifel. Spiegelnde Dinge können sowohl andere Boote als auch Suchflugzeuge und Helikopter auf dich aufmerksam machen.

Bleib im Kontakt zum Buddy

Falls Dein Buddy bei Dir ist, achtet darauf nah zusammen zu bleiben, aber Vorsicht wenn er in Panik gerät. Bindet euch nicht aneinander aber wenn ihr etwas habt woran sich beide festhalten können (z.B. das Seil der Boje), dann tut das. 

Halt Dich fest

Wenn niemand in Sichtweite aber ein Riffblock an der Oberfläche ist, schwimm dorthin. Untersuche den Block nach einer guten Stelle um Dich festzuhalten und achte dabei auf Lebewesen wie Skorpionfische oder Seeigel sowie auf scharfe Kanten und Korallen. 

Im Falle einer japanischen Tauchgruppe, die vor Bali in einem Unwetter verloren ging, haben sich die überlebenden Taucherinnen drei Tage an einem Riff festgeklammert bis sie gefunden wurden. Plötzlich umschwingendes Wetter, mit starkem Regen und Strömungen hatte es dem Boot anscheinend unmöglich gemacht, festzustellen, wo die Taucherinnen wieder auftauchen würden.

Halte Dich warm 

Für einen längeren Aufenthalt im Wasser ist es vor allem wichtig nicht auszukühlen. Gehe nach Möglichkeit in die HELP Position (Heat Escaping Lessening Posture) um weniger Wärme zu verlieren. Dabei ziehst Du Deine Knie zu Dir hin – wie ein kleiner Embryo – und bleibst soweit es geht ruhig. Da Du bis zu 50% Deiner Wärme über den Kopf verlierst, halte ihn über Wasser.

Vermeide Dehydrierung

Die zweite Sorge nach der Wärme ist das Austrocknen. Trinke auf keinen Fall Salzwasser, es wird Dich nur noch mehr austrocknen. Prüfe, ob Du etwas dabei hast, mit dem eventuell Regenwasser aufgefangen werden kann. Die oben erwähnte Taucherinnengruppe aus Japan, konnte einige vorbei schwimmende Kokosnüsse finden – wie sie es genau angestellt haben, diese ohne Machete oder ähnliches zu öffnen, kann ich Dir allerdings auch nicht sagen. Doch einmal in der Not, wird man wohl leicht erfinderisch.

Bleiben oder Schwimmen?

Ein Rettungsboot würde seine Suche wahrscheinlich am Tauchplatz selbst starten, wenn also ein Riffblock o.ä. dort ist um sich festzuhalten, bleib dort.

Bist du jedoch abgetrieben und erkennst unter dir nichts anderes als Wasser aber vor Dir einen Landstreifen schwimm darauf zu. Achte auf deine Kräfte, kämpfe nicht gegen Strömungen an aber schwimm stetig auf das Land zu. Hast du einen Kompass dabei richte ihn auf dieses Ziel aus so dass du auch wenn Wellen dir die Sicht versperren eine Ahnung hast in welche Richtung es geht. Hast Du einen Schorchel, kannst Du mit der Peilung auch auf das Ziel zuschnorcheln ohne den Kopf aus dem Wasser halten zu müssen.

Als 2007 in Elphinstone, einem Offshore Riff in Ägypten, eine Tauchgruppe verloren ging, schaffte es ein Mitglied an Land. Er war mehr als 11 km geschwommen, da die Gruppe von der Strömung bereits vom betauchten Riff weggetrieben wurde. Es gibt unterschiedliche Versionen und viele Spekulationen über dieses Unglück daher beschränke ich mich mit meinem Link lediglich auf eine kurze und nicht zu spekulative Zeitungsmeldung. 

Umgang mit Haien

Prinzipiell sind Haie keine große Gefahr für Taucher. Paddelst Du über Stunden an der Oberfläche könnte sich aber der ein oder andere für dich interessieren. Auch deswegen sind Riffblöcke keine schlechte Idee, größere Haie kommen nicht auf wenige Zentimeter ans Riff.

Hast du diese Wahl nicht, behalte deine Maske auf um besser reagieren zu können. Vermeide – auch beim Schwimmen – zu starkes ‚Planschen‘ was sich nach aufgeregten Beutefischen anhört. Sind Haie direkt um Dich, bleib vertikal. Behalte sie im Auge. Kommen sie nur mal neugierig ’schnuppern‘, drücke sie sanft weg. Musst du dich wirklich verteidigen, ziele auf die KiemenHaie sollten jedoch nicht deine erste Sorge sein. Im Zweifel steht so ein gut in Neopren verpacktes großes Ding nicht auf ihrem Speiseplan.

Fazit – was Du machst, wenn Du beim Tauchen zurück gelassen wirst

Behalte diese Tipps im Kopf, aber mache dich nicht verrückt. Höchstwahrscheinlich wirst du nie in die Situation kommen beim Tauchen allein zurück gelassen zu werden. Doch für den Fall der Fälle bist du nun vorbereitet.

Die Vorlage für den Film Open Water bildete übrigens ein Unglück, bei dem die Suche erst 2 Tage später anfing – beachtest du also die Tipps bereits vor dem Tauchgang, ist eine Rettung sehr viel wahrscheinlicher.

Rein in die Kommentare: Bist du schon mal in eine solche Situation gekommen? Welche weiteten Tipps kennst du? 

Zum Weiterlesen

Survival Tipps von Wilderness Survival – Open Sea

Scuba Diving Magazine: 5 Tips to remember if you’re left behind

12 Responses to Allein auf hoher See – Überlebensstrategien

  1. tauchcomputertest@gmail.com' Timo sagt:

    Hallo Katharina,
    den Albtraum nach einem Tauchgang bzw. dem Auftauchen allein auf hoher See zu sein hatte ich ehrlich gesagt auch schon. Aber ich habe zumindest in meinem unmittelbaren Umfeld noch von keinem solchen Fall gehört.
    Danke auf jeden Fall für Deine Tipps, die behalte ich für die zukünftigen Tauchgänge im Kopf. Nichts geht über eine gute mentale Vorbereitung. Kam es bei dir schonmal zu solch einem Zwischenfall oder ist Dir einer bekannt?
    LG Timo

    • Katharina sagt:

      Hallo Timo,
      ich selbst war nur mal eine viertel Stunde betroffen und war auch durchaus voller Hoffnung, dass das Boot zurück kommt – war dann auch so 😉
      Allerdings ist es in meinem Bekanntenkreis durchaus schon vorgekommen, wenn auch sehr selten mit gefährlichem Ausgang. Einmal war es auch einfach nur Pech, weil der Motor des Schlauchboots, das die Gruppe abholen sollte plötzlich aufgegeben hat. Eine blöde oder gefährliche Situation kann also durchaus vorkommen, aber ist auf keinen Fall die Regel. Ich würde mich jedenfalls davon nicht von Bootstauchgängen abhalten lassen 😉 Aber es ist eben gut vorbereitet zu sein und eine Vorstellung davon zu haben, was zu tun ist.

  2. greta23@byom.de' Greta sagt:

    In der Hoffnung, dass ich nie in die Situation gerate, vielen Dank für die guten Tipps für den Ernstfall!

    Beste Grüße

  3. info@neoprenanzug-test.com' Flo sagt:

    Wow, an so eine Situation habe ich noch gar nicht gedacht. Das ist wirklich ein kleiner Alptraum, aber dank deiner Tipps fühle ich mich etwas sicherer. 🙂
    Zum Thema Haie -> viele Hai-Angriffe sind meistens Verwechselungen. Sprich: Der Surfer mit seinem Surfbrett sah nach einer Robbe aus. Was Haie denken, wenn die einen Taucher sehen, kann ich allerdings nicht sagen 😉

    • Katharina sagt:

      „Oh mein Gott! Aliens! Ich hab’s doch schon immer gesagt!…“ Nein, im ernst. Du hast natürlich völlig recht, es handelt sich meist um eine Verwechslung. Die meisten Unfälle ereignen sich an der Oberfläche, wo die entsprechenden Haie auch nach Beute suchen und wenn man dann so ähnlich aussieht, könnte der Hai schon mal testen. Unter Wasser gab es in den letzten Jahren keine unprovozierten Unfälle mit Haien. Zum Tauchen mit Haien habe ich übrigens auch ein paar Tipps geschrieben. Als Taucher werden Haie schnell vom Monster zu einem der begehrtesten Unterwasserbegegnungen – ich bin jedes Mal total geflasht!

  4. top5vergleich@gmail.com' Jenz sagt:

    Wenn es passiert, bin ich froh diesen Artikel gelesen zu haben.

  5. green-day1997@gmx.de' Leon P. sagt:

    Habe mir noch nie Gedanken darüber gemacht in eine solche Situation zu geraten. Umso sinnvoller war es jedoch diesen guten Artikel zu lesen. Vielen Dank!

    • Katharina sagt:

      Gerne! Wie beschrieben, es passiert wirklich nicht oft, aber manchmal kann ein bisschen Achtsamkeit auf so etwas nicht schaden.

  6. sabine@fratuschi.com' Sabine sagt:

    Ich schnorchle zwar nur aber auch dabei kann man ja vergessen werden. Danke für die Tipps. Die Vorstellung hat mir zwar auch einen leichten Schauer über den Rücken gejagt aber jetzt weiß ich wenigstens was ich zu tun hätte.

    • Katharina sagt:

      Ja, angenehm ist diese Vorstellung tatsächlich nicht, aber gerade deswegen war mir der Artikel wichtig. Und Du hast völlig Recht, Schnorchler können genauso betroffen sein – gerade wenn sie nur in kleiner Zahl und ohne eigene Equipmentbox mit auf dem Boot sind. Es ist wahrlich selten, aber grundsätzlich ein Auge darauf zu haben kann am Ende schlimmeres verhindern.

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