Glücksmomente - The joy of little things

Glücksmomente – The joy of little things

Tauchblog

Von der Urlaubstaucherin zum Tauchblog

20. Juni 2015 Comments (4) Ägypten, Lifestyle

Kairo Tipps

Kairo Tipps: Islamisches Viertel

Surviving Kairo – ein kleiner Guide durch das Chaos

Eins vorweg: Kairo hat kulturell einiges zu bieten, es kann Dich neugierig in seinen Bann ziehen und faszinieren. Gleichzeitig kann es Dich in sein Chaos saugen und dreckig und frustriert wieder ausspucken so dass Du Dich wunderst in welchem Moloch Du bloß gelandet bist. Mit diesen Kairo Tipps überlebst Du die Stadt nicht nur sondern schaust hinter die staubige Fassade der größten Stadt der arabischen Welt.

Viele Gründe können Dich nach Kairo führen, vielleicht möchtest Du einen Tauchtrip mit ein bisschen Kultur verbinden oder vielleicht hast Du beruflich dort zu tun. Auch wenn Du planst einen der von den Hotels  angebotenen Tagestrips mitzumachen, bei denen üblicherweise alles durchgeplant ist, kann der ein oder andere Tipp aus diesem Wegweiser hilfreich für Dich sein.

Mich haben Familienbande nach Kairo geführt. Aus diesem Grund kann ich Dir auch keine Hoteltipps geben, da ich bei meinen Besuchen privat in Nasr City unterkomme – eine interessante Erfahrung, da das „normale“ ägyptische Leben eben nicht an den Touriorten stattfindet.

Für Dich hat es ebenfalls sein gutes, denn auch wenn ich aus meiner persönlichen Perspektive als Deutsche schreibe sind alle Tipps ausführlich mit Ägyptern diskutiert worden.

Kairo Tipps #1: Das Chaos mit Gelassenheit nehmen

Die erste Überlebensregel in Kairo ist Gelassenheit. Hinterfrage einfach nicht die Dinge – selbst wenn Du es tust, wirst Du von 5 verschiedenen Ägyptern 10 unterschiedliche Antworten bekommen. Lass Dich nicht stressen, nimm es so wie es eben an diesem Tag ist, bleib freundlich und wenn Du Informationen zum Weg, Regeln etc. brauchst, frage mehrfach um die wahrscheinlichste Antwort herauszufiltern.

Das absolute Gelassenheitstraining bietet die Straße – sowohl als Fußgänger wie auch als Passagier mit Auto. Ampeln habe ich in Kairo schon gesehen, dass sich jemand daran gehalten hat nicht. Die offiziell dreispurige Straße (befahren werden so viele „Fahrspuren“ wie Platz da ist) wird teils rennend, im Zickzack überquert. Bloß keine Angst zeigen, irgendwie klappt es. Gleiches gilt für das Autofahren, so lange Du nicht selbst fahren musst, lehn Dich einfach zurück, ignorier das Hupen (da ist bestimmt ein System hinter) und stör Dich nicht daran, dass das nächste Auto entweder parallel oder quer zu Dir nur zehn Zentimeter entfernt ist. Anschnallen ist meist nicht möglich, andererseits ist schnelles Fahren auf Grund des ewigen Verkehrs meist unmöglich. Wenn Du selber fährst: viel Glück, Du hast meine Bewunderung sicher.

Kairo Tipps #2: Aus den unendlichen Essensangeboten richtig wählen

Ägyptisches Essen ist reichhaltig und lecker. Insbesondere Fleischliebhaber kommen hier mit Kebab, Köfte und Rayesh auf ihre Kosten. Aber auch Vegetarier können mit Falafel, diversen Bohnen- und Linsengerichten gut überleben. Sehr empfehlenswert ist zudem Marshie – mit Reis und Gewürzen gefüllte Zucchini, Paprika oder Kohl. Wie in vielen Ländern gilt aber auch hier bei Obst und Gemüse der Grundsatz „Cook it, peel it or leave it“. Reisende sollten sich ihren Urlaub besser nicht mit Salat- und Obstexperimenten verderben lassen, Expats, deren Mägen schon länger an die hiesigen Keime gewöhnt sind, werden da schon mutiger sein. Für die Vitamindosis sind die diversen Saftshops – leicht an den vor dem Shop aufgehängten Orangennetzen und Bananen zu erkennen – bestens geeignet. Hier gibt es spottbillig frischgepressten Orangen- oder Zuckerrohrsaft.

Als Reisender möchte man vorrangig die Landesküche probieren und dazu gibt es mehr als genug Gelegenheit. Lebst Du länger im Ausland, möchtest Du vielleicht aber auch nochmal ein paar andere Gerichte auf den Teller bekommen. Im normalen Straßenbild wirst Du allerdings nur in den von Expats bevorzugten Vierteln wie Zamalek oder Maadi internationale Restaurants finden – von Fastfood Ketten wie KFC, McDonalds etc. mal abgesehen, die gibt es überall. Fündig wirst Du hingegen in den großen Malls. Lass Dich dabei nicht von den Food Courts mit Billigessen ablenken sondern schau z.B. im Erdgeschoss der City Star Mall und Du wirst gutes italienisches, indisches, armenisches und japanisches Essen (ok, Sushi, aber ich liebe Sushi 😉 ) finden.

Meine Kairo Tipps für den großen und kleinen Hunger:

Ägyptische Küche: Felfela, 15 Hoda Shaarawi St. Downtown, Nähe Tahrir Square – nicht verwirren lassen, es gibt ein Take Away auf der Hauptstraße. Das schönere Restaurant liegt jedoch etwas versteckt in der Seitenstraße

Sushi: Mori Sushi, z.B. im Erdgeschoss der City Star Mall, weitere Filialen findest Du über die Homepage

Burger: Burger Factory 2012,  DOWNTOWN KATAMEYA MALL, 5th District, Road 90, New Cairo

Zum Weiterlesen:

Für mehr Sushi: Best Sushi Places in Cairo

Für mehr Burger: Best Burger Places in Cairo

Für mehr ägyptische und internationale Küche: 8 versteckte authentische Restaurants

Kairo Tipps #3: Einkaufen ohne abgezockt zu werden

Beim Einkaufen gilt es zwei unterschiedliche Arten von Geschäften zu unterscheiden: die, die ihre Preise angeschrieben haben und die die es nicht tun. Letztere sind in der Mehrheit, erstere sind fast ausschließlich in Malls zu finden. Für Dich bedeutet das in vielen Fällen, dass Du handeln musst um keine Fantasiepreise zu bezahlen. Wo Du nicht handelst auch wenn keine Preise zu finden sind, sind die kleinen Supermärkte und Kioske, die überall zu finden sind. Nur wenn der Preis wirklich unverschämt hoch erscheint, solltest Du nochmal nachfragen. Eine kleine Flasche Wasser sollte nicht mehr als 2 LGP kosten, eine Dose Cola 3 LGP

Nun möchtest Du Deinen Lieben zu Hause ein kleines Souvenir mitbringen und gehst zum Khan el-Khalili Bazar. Jetzt sind Deine Verhandlungskünste gefragt – oder besser erst einmal wieder Deine Gelassenheit. Denn jeder Verkäufer wird in einer nervtötenden Art auf sich aufmerksam machen wollen. Mein Tipp: Sonnenbrille aufsetzen und erstmal über den Bazar schlendern um einen Überblick zu bekommen. Jegliche Gesprächsversuche ignorieren oder ein kurzes „La! Shoukran“ (Nein, danke) äußern, während man schon vorbeigeht. Kein Stehenbleiben oder Blickkontakt, auch wenn es uns unhöflich erscheint.

Hast Du nun eine Idee was gekauft werden und welcher Shop es sein soll, kann es zum Verhandeln gehen. Auf Bazaren wie Khan el-Khalili beherrschen die Verkäufer meist einen Grundwortschatz an Englisch, ansonsten wird sich mit dem Taschenrechner beholfen. Möchtest Du wirklich einsteigen, kannst Du mit Höflichkeitsfloskeln beginnen: „El akbar?“ (Was sind die Neuigkeiten?) oder „Kulu tamam?“ (Alles in Ordnung?), zeigen Interesse und bringen vielleicht eine Einladung zum Tee oder dem Probieren einer Süßigkeit. Mit „Bi käm?“ (wie viel?) fängst Du schließlich die Verhandlung an. Es wird ein Preis genannt, Du bietest die Hälfte und so geht es weiter bis alle zufrieden sind („tamam“ – in Ordnung) oder Du nicht bereit bist den Preis zu zahlen („La“ – nein). In diesem Fall, gehe einfach zum nächsten, auf jeden Fall hast Du nun eine erste Vorstellung was das von Dir favorisierte Produkt kostet.

Khan el-Khalili ist auf jeden Fall Dein Ort, wenn Du Schals, Döschen, Gewürze, Statuen, Shishas, Bilder oder sonstige Souvenirs kaufen möchtest. Es ist aber auch der Ort an dem Einheimische Haushaltsgegenstände oder Gold- bzw. Silberschmuck kaufen, was sich mit gutem Verhandlungsgeschick auch für Westler lohnen kann.

Bist Du auf der Suche nach Kleidung, Büchern, Einrichtungsgenständen etc. westlicher Art wirst Du in den großen Malls fündig. Je nach Aufenthaltsort bieten sich City Stars (Heliopolis), Katameya Downtown Mall (New Cairo) oder Cairo Festival City (New Cairo) an. Hier gibt es neben traditioneller Mode auch die großen westlichen Ketten wie H&M oder Zara. Schmunzeln musste ich über Ulla Poepken, Hunkemöller oder das Café Einstein, von dem ich noch nicht mal wusste, dass es außerhalb von Berlin existiert.

Auch in den normalen Straßen wimmelt es natürlich von Geschäften, ob für den westlichen Geschmack immer etwas dabei ist, mag dahingestellt sein, aber wir sind ja auch nicht die primäre Zielgruppe.

Kairo Tipps #4: von einem Ort zum anderen kommen

Kairo hat offiziell 8 Millionen Einwohner und das bleibt bei den Distanzen und im Verkehr nicht unbemerkt. Egal wie nah etwas auf der Karte aussieht: es ist weit weg! Wenn nicht von der Distanz, dann von der Zeit, die Du brauchst um durch den Stau dorthin zu gelangen. Also, wieder die Gelassenheit angeschaltet und auf geht’s. Es gibt grundsätzlich eine Metro. Mein Vorschlag, wir könnten es doch damit mal probieren wurde von meinem Freund mit folgenden Worten gekontert: „wenn du den Platz findest, auch nur einen Fuß in die Metro setzen zu können gebe ich Dir 100 LGP“.  Ähnliches kann über die Busse gesagt werden. ABER es ist grundsätzlich möglich. Einen Guide hierzu habe ich bei U.S. News Travel gefunden: Getting around Cairo

Wie also von einem Ort zum nächsten kommen? Die einfachste Methode ist es ein Taxi zu nehmen. Tausende davon fahren in weißer Farbe und mit einem Taxi-Zeichen auf dem Dach durch die Straßen. Du stellst Dich einfach an den Straßenrand und hebst die Hand. Hält eines neben Dir sagst Du dem Fahrer erst die grobe Fahrtrichtung, also das Viertel in das Du willst und er sagt Dir, ob er bereit ist dorthin zu fahren. Als Mann kannst Du Dich nun auf den Beifahrersitz setzen, als Frau nimmst Du den Rücksitz. Jetzt wirst Du spezifischer wo es hingehen soll. Am besten suchst Du Dir vorher markante Wegpunkte in der Nähe raus (große Hotels, Sehenswürdigkeiten, Plätze…). Kennst Du Dich um Dein Ziel etwas aus, umso besser, dann kannst Du den Fahrer das letzte Stück lotsen: „alatoul“ – geradeaus; „yimin“ – rechts, „schamäl“ – links. Funktioniert z.B. auch wenn Du Dein Ziel auf Google Maps gefunden hast und den Weg per GPS mitverfolgen kannst. Aber Vorsicht: Adressen in Ägypten sind meist nicht mehr als Schall und Rauch und viele kleinere Sachen, Adressen oder Shops sind in Googles Karten nicht richtig eingezeichnet bzw. durch Übersetzungsschwierigkeiten zwischen arabischer und englischer Schreibweise nicht zu finden.

Bist Du schließlich am Ziel angekommen, steige aus und bezahle durch das Beifahrerfenster.

Kairo Tipps #5: Anschauen was sich lohnt

Wenn man nach Reiseführern geht, gibt es so etwas wie ein Pflichtprogramm für Kairo und dort stehen die Pyramiden ganz oben. Nun, ein Besuch lohnt sich sicherlich. Eine Besichtigung des Inneren würde ich eher nicht empfehlen, denn dort ist nicht wirklich etwas anderes zu sehen als außen: Steine – und ich meine noch nicht mal bemalte. Von daher genieße den Blick auf die Pyramiden, die Sphinx und sei erstaunt wie nah dieses Weltkulturerbe dem städtischen Trubel ist. Was sich hier ebenfalls findet: die aufdringlichsten Exemplare der Verkäuferspezies. Ja, Du kannst eine Kutschenfahrt oder ein Kamelritt über das Gelände machen, bzw. für ein Foto so tun. Du kannst überteuerte Souvenirs kaufen oder einen Guide nehmen, der im allerbesten Fall sogar historisch korrekte Geschichte erzählt. Du kannst aber auch gelassen über das Gelände spazieren, keinen Blickkontakt aufnehmen (Sonnenbrille!), jegliche Annäherungsversuche ignorieren (nein, es ist keine reine Freundlichkeit, wenn jemand anbietet ein Foto von Dir zu schießen) oder mit einem strengen „La“ alle zu aufdringlichen Verkäufer abweisen. Denn sei Dir sicher, wenn Du einem die Chance gibt, kommen alle.

An zweiter Stelle des Pflichtprogramms steht das ägyptische Museum, das sich auf Grund seiner immensen Kulturschätze wirklich lohnt. Es ist auch perfekt um der Mittagshitze zu entgehen. Das Museum liegt direkt am Tahrir Square – dem Herzen der Revolution 2011. Wer heute dort vorbei kommt, wird feststellen dass der „Platz“ eigentlich ein riesiger Kreisverkehr ist und weniger groß aussieht als es das auf den Fernsehbildern vielleicht getan hat.

Ein Highlight und gleichzeitig eine Ruheoase war für mich die Salah El-Din Citadel im islamischen Viertel. Hoch auf einem Hügel gelegen beherbergt die Zitadelle die Mohammed Ali Moschee sowie den Gawhara Palace, den Mohamed Ali Pascha für seine Frau gebaut hat. Darüber hinaus befinden sich mehrere Museen auf dem Gelände und einen schönen Blick über das islamische Viertel gibt es gratis dazu. Bei meinem Besuch im April 2015 waren Teile der Museen wegen Bauarbeiten geschlossen. Für mich hat sich der Besuch trotzdem gelohnt. Wer das volle Programm haben möchte, sollte jedoch vorher im Internet noch einmal recherchieren, ob die Museen wieder geöffnet sind.

Da die Entfernung nicht allzu groß ist, lässt sich der Besuch gut mit einem Ausflug in den Al-Azhar Park oder Khan el-Khalili verbinden.

Da Ägypten heute ein mehrheitlich islamisches Land ist, gerät leicht in Vergessenheit, dass es auch eine bedeutende christliche Minderheit gibt, die in Kairo durch eine Vielzahl von Kirchen auch sichtbar ist. Die koptische Kirche ist eine der ältesten Kirchen des Christentums und die Kopten selbst zählen zu den „alteingesessen“ Bewohnern Ägyptens, da sie nicht erst in einer der Einwanderungswellen in der bewegten Geschichte Ägyptens hinzugezogen sind. Ihre reiche Geschichte wird im koptischen Viertel deutlich. Dort findet sich neben der Kathedrale und der „hängenden“ Kirche auch das koptische Museum. Das Viertel ist eines der ältesten Kairos.

Nicht ganz so alt, aber nicht minder interessant ist Zamalek. Hier spiegelt sich der westliche Einfluss in Kairo wieder. Bereits während der britischen Besetzung ließen sich auf dieser Insel die Geschäftsleute und Diplomaten nieder und bis heute befinden sich die meisten Botschaften hier. Zamalek ist für Kairo verhältnismäßig ruhig, grün und sauber. Es lässt sich gut durchlaufen und es finden sich Cafés und Bars in denen man sich niederlassen kann. Auch kulturell hat das Viertel einiges zu bieten. So befinde sich etwa das Opernhaus hier. Etwas alternativer ist das Culture Wheel, in dem zahlreiche Veranstaltungen stattfinden.

Veranstaltungen ist auch ein gutes Stichwort, denn wenn Du Cairo und seine Bewohner wirklich kennen lernen möchtest, solltest Du nach Veranstaltungsangeboten, wie Ausstellungen oder Konzerten Ausschau halten. Ohne Arabischkenntnisse ist das z.B. Bei Cairoscene und Cairo 360 möglich – neben einem Veranstaltungskalender gibt es auf diesen Seiten noch mehr Tipps zu Kairo und News aus der arabischen Welt.

Kairo Tipps #6: Ruheoasen finden

Schon nach ein oder zwei Tagen habe ich in Kairos Großstadtdschungel das dringende Bedürfnis nach Ruhe, Grün und Relaxen. Wenn es Dir auch so geht, kann ich Dir nur raten Dir eine kleine Pause zu gönnen. Möglich ist das in einigen Parks der Stadt. Im Islamic District ist das der Al Azhar Park, in dem Du neben spazieren gehen auch Veranstaltungen und Konzerte erleben kannst.

In Zamalek bietet der Gabalaya Fish Park etwas Ruhe vom Trubel außerhalb des Zauns. Der kürzlich renovierte Park hat einen kleinen Eintritt von 20 LGP.

Kairo Tipps #7: Die Expat Szene in Kairo

Kairo ist nicht unbedingt das typische Ziel für digitale Nomaden, doch es gibt eine große Anzahl von – wenn man es so nennen möchte – „klassischen“ Expats, etwa Diplomaten, Korrespondenten die über ganz Afrika berichten oder Mitarbeiter großer Konzerne. Eine nicht ganz ernst gemeinte, aber durchaus amüsant zu lesende Zusammenfassung aller Expat-Kategorien findet sich auf Scoop Empire.

Während ich 80% meiner Zeit in Kairo keine (westlichen) Ausländer zu Gesicht bekomme, da ich meist in Nasr City bin, ändert sich das Bild schlagartig bei einem Besuch von Zamalek oder Maadi. Hier lebt das Gros der Expats und so finden sich auch Restaurants, Bars und andere Locations, die sich vor allem an diese Zielgruppe richten.

In Maadi findet sich auch Ägyptens ersten Co-Working Space „The District“. Wem das zu weit im Süden Kairos ist, kann Downtown, ganz in der Nähe des Tahrir Square, im Icecairo oder in Heliopolis im Ideaspace seinen Laptop aufklappen.

In einer Stadt wie Kairo kann es am Anfang schwer sein, Menschen kennenzulernen und die richtigen Plätze zum Ausgehen zu finden. Helfen kann Dir dabei InterNations, ein Netzwerk für Expats in der ganzen Welt. Du wirst regelmäßig zu neuen Aktivitäten und Get-togethers eingeladen und kannst Dir im Forum Tipps rund um Dein Leben in Kairo (oder jede Menge anderer Städte weltweit) holen – mein kleines Marsa Alam ist leider nicht dabei, aber ich schaue immer neidisch auf die Tipps für die Hauptstadt.

Kairo Tipps #8: Ungeschriebene Verhaltensregeln

Wer in die Fremde reist, kann leicht ungewollt ins Fettnäpfchen treten, gerade Ägypten ist für uns „Westler“ geradezu gepflastert mit kleinen und großen Näpfchen. Praktischerweise sind die meisten Touristen in Resorts eingezäunt, wo andere Regeln gelten (ja, teilweise sogar die deutsche Uhrzeit, damit Besucher nicht ihre Uhr eine Stunde umstellen müssen). Bei einem Kairo Besuch vermeidest Du Irritationen aber leicht durch ein bisschen Achtsamkeit:

  • Fotografieren: auch wenn Ägypter selbst Fotos lieben und wie Filmstars posieren, ungefragt ein Foto von jemandem zu machen ist ein absolutes No Go. Bitte bei Straßenszenen aufpassen, dass Du Deine Kamera nicht direkt auf Menschen richtest. Was jedoch überhaupt kein Problem ist, ist nett zu fragen, ob Du ein Foto machen kannst („Mumkin ana asawar?“ – darf ich fotografieren?). Gerade junge Ägypter werden kaum nein sagen, sondern gleich selbst ihr Handy zücken, um ein gemeinsames Foto aufzunehmen. Als Frau solltest Du jedoch eher darauf zu verzichten mit Männern zu posieren sonst hast Du anschließend leicht Probleme Deinen „Fotofreund“ wieder loszuwerden und kannst davon ausgehen, dass das Foto stolz auf Facebook präsentiert wird.
  • Kleidung: Kairo ist definitiv nicht Hurghada, wo Touristinnen gern mal leichter bekleidet rumlaufen (und natürlich jede Menge gewollte und ungewollte Aufmerksamkeit bekommen). Eine lange leichte Hose oder ein langer Rock und ein Shirt mit halblangen Ärmeln das wenig Dekolleté zeigt vermeidet zuviel anzügliche Blicke und Kommentare. Ich habe in meiner Tasche immer noch ein größeres Tuch, das ich zur Not über Schultern und Hals legen kann – übrigens nicht nur aus kulturellen Gründen sondern auch wegen den teils arktischen Temperaturen in klimatisierten Räumen.
  • Ungewollte männliche Aufmerksamkeit: Hier gilt wie bei den Händlern erstmal ignorieren, nicht stehen bleiben und keinen Blickkontakt aufnehmen. Wenn das ganze doch zu bunt oder gar handgreiflich wird, versuch die Aufmerksamkeit anderer Menschen zu bekommen, geh in ein Geschäft in dem auch Frauen sind oder ruf demjenigen laut „emshie!“ (verschwinde!) zu. Eine Diskussion wird nichts fruchten. Die meisten wirklich aufdringlichen Männer sprechen eh kaum Englisch.
  • Sicherheit im allgemeinen: Kairo ist eine riesige Stadt. Dementsprechend gibt es Viertel (wie Zamalek und Maadi) in denen Du Dich mit der Anwendung von Common Sense gut bewegen kannst. In den meisten anderen Vierteln ist weniger die Kriminalität das Problem, als die Unübersichtlichkeit und die Sprachbarriere. Wenn Du genügend Arabisch sprichst, Ortskenntnis hast oder Einheimische bei Dir sind, wird kaum etwas passieren. Bist Du allein und das erste Mal in Kairo solltest Du etwas vorsichtiger sein. Merk Dir große Sehenswürdigkeiten/ Moscheen in der Nähe Deiner Unterkunft auf Arabisch und lass sie Dir auch in arabischer Schrift auf einen Zettel schreiben. Markiere Deine Unterkunft und Deine Ziele auf Deinem Smartphone in GoogleMaps, um wieder zurück zu finden. Auch wenn viele Medienberichte über Demonstrationen als Straßenschlachten und Gewaltakte übertrieben sind, es gibt doch immer wieder Zwischenfälle. Also wie beim Tauchen: safety first und große Menschenansammlungen meiden. Gleiches gilt für Polizeistationen, hier gab es auch in Kairo immer wieder kleinere Bombenanschläge.
  • Pärchen in der Öffentlichkeit: Es dürfte kein großes Geheimnis sein, dass Küssen in der Öffentlichkeit absolut verpönt ist. Händchen halten ist meist in Ordnung und erspart uns Frauen auch den ein oder anderen Kommentar. Um es Euch einfach zumachen, solltet Ihr auch prinzipiell angeben dass Ihr miteinander verheiratet seid. Vorehelicher Sex oder Zusammenleben ist in Ägypten zwar unter der Hand vorhanden, aber offiziell unmöglich.
  • Besuch von Moscheen: Viele Moscheen freuen sich auf Besucher und sind interessant anzuschauen. Vor Betreten einer Moschee sind auf jeden Fall die Schuhe auszuziehen. Den Kopf musst Du als Westlerin zwar nicht immer bedecken, aber achte darauf, dass Du so wenig Haut wie möglich zeigst. In manche Moscheen dürften Frauen auch nicht eintreten, beobachte also erstmal aufmerksam die anderen Besucherinnen bevor Du die Moschee betrittst.

Kairo Tipps #9: Der Soundtrack Deines Trips

Arabische Musik kann manchmal etwas anstrengend sein, doch sie gehört zu diesem Trip einfach dazu. Und dass auch für westliche Ohren richtig gute Songs aus Ägypten kommen, zeigen Cairokee. Die Jungs aus Kairo sind im Zuge der Revolution 2011 bekannt geworden und sprechen politisch in ihren Liedern Klartext. Aber auch wenn Du die Worte nicht verstehst, die Melodien machen allein schon klar um was es geht. Der Song „Ya el Midan“ ist eine Hymne für die Revolution geworden: 


Etwas traditioneller aber ebenso symbolisch für politische Künstler in Ägypten ist Mohammed Mounir, der in Ägypten bei jung und alt bekannt ist. Dass es dabei aber nicht nur bei Ägypten bleibt, zeigt eine sehr interessante Kollaboration mit „The Wailers“:

Der Artikel entsteht übrigens gerade auf der Rückfahrt aus Kairo, 140 km Durchschnitt auf einer von Schlaglöchern gesäumten Straße, Anschnallen nicht möglich, Überholen in engen Kurven mit Gegenverkehr dafür schon. Ein ständiges Piepen signalisiert, dass der Fahrer die vorgesehenen 120km kontinuierlich überschreitet, aber das Piepen abzustellen scheint auch nicht möglich. Ach ja, die Gelassenheit eben, Cairokee aus den Kopfhörern und in Gedanken bin ich schon wieder unter Wasser…

Warst Du schon einmal in Kairo? Was ist Dir am stärksten in Erinnerung geblieben?

4 Responses to Kairo Tipps

  1. silke_weidemann@yahoo.com' Silke sagt:

    Sehr viele interessante Tipps! Ich tauche nicht, aber nach Ägypten wollte ich schon immer mal reisen. Kairo ist definitiv auf meiner Bucket List!

    • Katharina sagt:

      Ägypten ist definitiv eine Reise wert! Und vielleicht entspannst Du danach in einem der Urlaubsorte am Roten Meer und gibst dem Tauchen mit einem Schnuppertauchgang eine Chance 😉

  2. harry@taucher.net' Harry sagt:

    Hoch interessanter und hilfreicher Artikel! Danke! Harry

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

WordPress Backup